Meeresschutz in den Balearen - Schützen Sie, was Sie lieben

Meeresschutz im Mittelmeer

Als Segler lieben wir es, auf dem Meer zu sein und freuen uns, wenn wir für einen Augenblick den Meeresbewohnern begegnen. Damit es weiterhin so bleibt, müssen wir uns gemeinsam für sie einsetzen. Sunsail ist daher eine Kooperation mit der internationalen Meeresschutzorganisation OceanCare eingegangen, um ein stärkeres Bewusstsein für Meeres- und Artenschutz zu schaffen und konkrete Maßnahmen umzusetzen. Lesen Sie unten den Blog von Nicolas Entrup, Co-Leiter Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, über die wertvollsten Schätze im Mittelmeer und die unsichtbare Bedrohung durch Unterwasserlärm.

Hoffnung für die Artenvielfalt in spanischen Gewässern

Sind Sie auf einem Segeltörn schon einmal Finnwalen oder Pottwalen begegnet? Wer solches Glück hatte, wird den Moment wohl nie vergessen. Diese Walarten gehören zu den grössten Bewohnern der Erde – und zu den faszinierendsten. Anzutreffen sind sie auch zwischen dem spanischen Festland und den Balearen. Finnwale wandern hier entlang in nördliche Nahrungs- und Fortpflanzungsgründe. Pottwale leben im Gebiet Seite an Seite mit Grindwalen, Cuvier-Schnabelwalen, Grossen Tümmlern, Meeresschildkröten und Haien.

Die Gewässer zwischen Spanien und den Balearen zählen zu den ökologisch wertvollsten des Mittelmeers. Reich sind sie auch an Schätzen im Meeresboden, was die Begehrlichkeit der Ölindustrie weckt, die sich der Öl- und Gasressourcen bemächtigen wollen. Ein gefährliches Unterfangen, dem sich die internationale Meeresschutzorganisation OceanCare im Verbund mit Allianza Mar Blava, einem Verbund spanischer Organisationen, seit Jahren entgegenstellt. Mit Erfolg.

Im Dezember 2019 hat die Barcelona-Konvention, das UNO-Schutzabkommen für das Mittelmeer, ein über 46.000 km2 großes Gebiet zwischen den Küsten Kataloniens und Valencias und den Balearen zum Schutzgebiet erklärt und damit die Entscheidung der spanischen Regierung vom Juni 2018 verstärkt, die Region als Meeresschutzgebiet auszuweisen. Damit werden alle Gesuche der Industrie schubladisiert und die bestehende Öl-Förderung eingestellt. Dies gilt zunächst für drei Jahre, bis ein detaillierte Schutzplan, an dem OceanCare mitwirkt, festgelegt sein wird. Zentral ist dabei die Lärmreduktion. Internationale Wissenschaftler haben in einer Studie zur Lärmbelastung des Mittelmeers gezeigt, dass just die neue Schutzzone ein Lärm-Hotspot ist. Dafür gibt es zwei Gründe.

Einerseits die Suche nach Öl und Gas im Meeresgrund: Bei seismischen Untersuchungen generieren Druckluftkanonen, die hinter Schiffen hergezogen werden, über Wochen und Monate alle 15 Sekunden Schallexplosionen bis 240 Dezibel. Die Explosionen machen die Tiere, die unter Wasser auf das Gehör angewiesen sind, taub. Viele tauchen in Panik zu rasch auf und sterben an der Taucherkrankheit.


Quelle: https://www.medqsr.org/background-ci19

Andererseits führt durch das Schutzgebiet eine wichtige Schiffsroute für den Gütertransport. Zwischen Festland und Balearen verkehren viele Personenfähren und Transportschiffe. Hier braucht es eine Geschwindigkeitsreduktion. Bereits eine Verringerung von 10% der Geschwindigkeit würde die Lärmbelastung um 40% reduzieren und auch mindestens 10% der Treibhausgasemissionen einsparen. Zusätzlich nimmt die Gefahr der Kollisionen von Schiffen mit Walen oder Meeresschildkröten um etwa 50% ab.

Lärmreduktion zum Schutz von Walen, Delfinen und anderen Meeresbewohnern

Die Reduktion des Lärms in den Meeren ist bei OceanCare seit 2002 zentral. Mit wissenschaftlichen Studien und unermüdlichem Einsatz in internationalen Gremien hat die Organisation bewirkt, dass die UNO den Unterwasserlärm als eine der fünf grössten Gefahren für die Meeressäuger und eine der zehn grössten Gefahren für die Meere eingestuft hat. Nach extremen Schallereignissen brechen Fischfänge um 40-80 Prozent ein und mittlerweile ist erwiesen, dass selbst wirbellose Tiere an der Basis der marinen Nahrungskette massiv von Lärm betroffen sind.

Weniger Unterwasserlärm ist auch mehr Klimaschutz: Mit der Einstellung der Ölsuche leiten wir die Transformation des Energiesektors ein; langsamer fahrende Schiffe stossen weniger CO2 aus; und jede Lärmreduktion schont das Ökosystem der Meere, was wichtig ist, denn: Die Ozeane absorbieren rund 70% des globalen CO2, speichern einen Grossteil der steigenden Temperaturen und produzieren 50% des Sauerstoffs, den wir einatmen. Unser Planet hat zwei Lungenflügel. Der eine ist grün wie die Regenwälder, der andere blau wie das Meer – dem wir jeden zweiten Atemzug verdanken.

Segler sind Botschafter der Meere:
Ihr Engagement zählt

Auch beim Segeln ist Lärm ein Thema. Zu mehr Stille in den Ozeanen können Sie beitragen, indem Sie:

  • auf laute Freizeitaktivitäten wie die Nutzung von Jet Skis verzichten.
  • möglichst oft unter Segel fahren und den Motor ausschalten. So sparen sie auch noch Benzin.
  • das Dinghy massvoll einsetzen.
  • ihren Plastik-Konsum einschränken. Rund 8% des weltweit geförderten Rohöls, das teils wie oben beschrieben mit extrem lauter Technologie am Meeresgrund sondiert wird, fliesst in die Plastikproduktion!

Was uns alle angeht, können wir nur gemeinsam lösen. Hier einige Impulse, was wir als Segler für das Meer und seine Bewohner tun können: Praktische Tipps für den Meeresschutz

Jetzt wünsche ich Ihnen viel Vorfreude auf den nächsten Segeltörn!
Schön, wenn der Funke des Meeresschutzes auf Sie übergesprungen ist.

  

Meerestier-Quiz

Testen Sie Ihr Wissen rund um die schönsten Meeresbewohner unserer Ozeane:

Author Name: 
Nicolas Entrup
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