Zum ersten Mal auf einem Kat

Get on Board

Die ausführlichere Version dieses Artikels und noch mehr Impressionen gibt es auf www.GetonboardBlog.deAuch weitere Artikel von Markus Wessa über die Route und Erlebnisse des Törns sind hier zu lesen.

Katamarane werden zunehmend beliebter und auch der Anteil der Zweirümpfer in der Sunsail Flotte hat in den letzten Jahren zugenommen. Markus Wessa vom Blog Get on Board, ein klassischer Monohull-Segler, war im Oktober zum ersten Mal mit einem Katamaran unterwegs und wir haben ihn gebeten, uns seine Erfahrungen zu schildern. Hier sein Bericht von seinem Törn mit einem Sunsail 444 in Kroatien:

Samstagmorgen, acht Uhr. Wir klettern noch etwas verschlafen an der Marina aus unserem Taxi. Schon seit Stunden sind wir auf den Beinen, unser Flieger ging schon um 5:50 Uhr. Beim Anblick der Marina und der Sunsail Flotte werden wir hellwach und sehen uns um. Immer wenn ich in der Marina ankomme, stellt sich Spannung ein. Auch dieses Mal, aber es ist anders als sonst. Wir haben einen Segeltörn vor uns, klar, aber keinen wie sonst, keinen wie gewohnt. Zum ersten Mal setzen wir unsere Füße auf einen Katamaran. Wie fühlt sich das an? Was sind die Unterschiede zum Segeln mit einer Monohull? Was sind die Vorteile, was die Nachteile? Gibt es überhaupt welche? Um das herauszufinden und davon zu berichten, gibt Sunsail für eine Woche einen 44-Fuß-Katamaran in meine Hände. Schon im Juni waren wir in diesem Revier unterwegs und konnten in der einen oder anderen Bucht diese Schmuckstücke betrachten.

Nun stehe ich selbst auf einem solchen, sehe mich an Bord um, bevor der Sunsail-Techniker kommt, um meinem Co-Skipper und mir die Bordeinweisung zu verpassen. Wir haben Respekt. Ein Katamaran fährt sich nicht wie eine Monohull, vor allem nicht im Hafen, und ist bei gleicher Länge fast doppelt so breit. Dieser Respekt wandelt sich im Laufe der Woche in puren Spaß.

Noch nie bin ich Hafenmanöver so entspannt gefahren, ja ich habe mich sogar von Mal zu Mal darauf gefreut. Eine vollkommen neue Erfahrung. Nicht, dass ich bisher vor Hafenmanövern Muffensausen hatte, aber ich war doch immer deutlich angespannter. Hat man sich mal mit den beiden Gashebeln angefreundet, einen für jede Maschine, werden Hafenmanöver zum Kinderspiel. Der wesentlichste Unterschied ist, dass man sich nicht wie mit der Monohull permanent in Fahrt befinden muss, weil man Ruderdruck braucht um manövrieren zu können. Beim Kat bleibt das Ruder im Hafen ungenutzt. In Mittelstellung arretiert, hockt es auf der Ersatzbank und die beiden Maschinen lassen ihre Muskeln spielen. Nur bei starkem Seitenwind sollte man schauen, dass man sich nicht allzu viel Zeit lässt, um einzuparken, denn vertreiben kann auch der Kat, wenn auch erstaunlich wenig. Der Sunsail 444 läuft fast wie auf Schienen und reagiert prompt und präzise. Ich meine fast, ich könnte ihn zentimetergenau bugsieren. Einlaufen in eine gut belegte, lange Gasse in der Marina ist angesagt: 15 Crews reiben sich in freudiger Erwartung auf Hafenkino die Hände. Mühelos punktgenau anlegen und hundert enttäuschte Gesichter bei einem Anlegerbier genießen. Unbezahlbar! Die Übersicht nach Backbord mittschiffs könnte vom Steuerstand aus besser sein. Nach achtern hat man aber die beiden Hecks, wenn auch in gebückter Haltung, im Blick und darauf kommt es ja in erster Linie beim Anlegen an. Einen Radeffekt mit allen Vor- und Nachteilen gibt es nicht.

Okay, wie sieht´s beim Segeln aus? Kats sind oft als unsportlich verschrien, ist da was dran? Nicht wirklich! Ja, okay, sie krängen nicht, aber das war es dann auch. Das Teil schaukelt genauso und nimmt die Wellen mit wie eine Monohull. Gischt übers Vorschiff? Kein Problem! Der Kat kommt einem vermutlich nur gemütlicher vor, weil man es einfach bei allen Segelbedingungen viel gemütlicher an Bord hat. Platz ohne Ende für Crew, Proviant und Gepäck. Dabei sind alle Sitzgelegenheiten überdacht, so auch der Steuerstand. Wer zu langsam war, unter die Sprayhood zu hechten oder Seegang unter Deck nicht verträgt, muss nicht im Regen hocken. Und wenn die Sonne brennt, gibt es genug Schatten. Überhaupt kommt einem der Kat wie das reinste Platzwunder vor. Meine Zehner-Crew fühlte sich an wie eine Sechser-Crew auf einer Monohull. Dagegen ist eine Woche auf einer Monohull wie ein Ausflug in die Konservenbüchse. Zurück zur Segelperformance. Das durchgelattete Groß spricht für Sportlichkeit und bringt den Großschoter auf Touren, ebenso die Jungs am Baum bei Hissen und Bergen. Selbst bei leichten Winden von 7-9kn setzt der Kat unter optimalem Kurs mehr als 60% in Fahrt um. Sprich bei 7kn Wind, geht´s mit 4,5-5kn vorwärts. Auf einer Monohull würde ich bei 7kn nur für Übungszwecke die Segel rausholen. Mit dem Gerücht, man käme nicht so hoch an den Wind kann ich zumindest im Falle des Sunsail 444 aufräumen. Hohe Kurse gehen gut, da die Holepunkte für die Fock weit innen angeschlagen sind und mit der Doppelgroßschot ist ohnehin das ganze Spektrum abdeckbar. Wenden lässt sich der 444 tadellos und bei allen Manövern gibt´s genauso viel Arbeit und Teamwork wie auf der Monohull auch wenn alle Strippen im Steuerstand zusammenlaufen und so der Rudergänger zur Not alles alleine machen könnte. 

Trotz hohem Steuerstand ist das Steuerrad mechanisch über Kette mit den Ruderblättern verbunden. Man erhält also genau wie auf der Monohull eine direkte Reaktion beim Segeln. Aber es gibt auch Nachteile. Durch die nach hinten gezogenen Wanten kann man das Groß auf Raumschots nicht so weit aufmachen. Ein Baum für die Fock würde vor dem Wind helfen. Läuft man Steuerbordbug am Wind bis halben Wind, hat man vom Steuerstand aus keine Sicht ins Groß, der Baum versperrt sie und auch keine Sicht voraus, denn man schaut in die Fock. Bis auf diese eher kosmetischen Punkte, kann man dem Kat nix vorwerfen. Klar ist, dass sich Kat-Segeln etwas anders anfühlt. Bis auf die fehlende Krängung gibt´s die gleiche Action aber mit höherem Chill-Faktor wegen dem unschlagbaren Platzangebot. Für uns steht fest, dass wir nicht zum letzten Mal mit einem Kat in See gestochen sind.

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